Bericht vom 56. Bundestreffen des AdP e.V. in Magdeburg 2026

Moderne Medizin gegen Pankreaskrebs: Fortschritte, die Mut machen

von Anja Strecker-Seebo

Das 56. Bundestreffen des Arbeitskreises der Pankreatektomierten (AdP e. V.) in Magdeburg stand ganz im Zeichen von Forschung, Austausch und Zuversicht. Zahlreiche Betroffene, Angehörige, Mediziner und Experten kamen zusammen. Während Mediziner und Experten über aktuelle Entwicklungen rund um Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse informierten und ihr Fachwissen teilten, nutzten Betroffene und Angehörige die Gelegenheit zum Austausch und zum persönlichen Gespräch.

Mitgliederversammlung und Vorstandswahl

Bereits am Freitag fand die ordentliche Mitgliederversammlung des AdP e. V. mit 67 stimmberechtigten Mitgliedern im Magdeburger Maritim Hotel statt. Neben dem Tätigkeits- und Kassenbericht stand auch die Vorstandswahl auf der Tagesordnung – die bisherige Vorstandskonstellation wurde dabei erneut bestätigt.

Der Wissenschaftliche Beirat informierte über die Aufnahme von vier neuen Mitgliedern:

  • Prof. Dr. med. Thomas Theodor Werner Seufferlein (Universitätsklinikum Ulm)
  • Prof. Dr. med. Christoph Michalski (Universitätsklinikum Heidelberg)
  • Univ.-Prof. Dr. Markus K. Diener, MBA (Klinikum Nürnberg)
  • Tim Haffner (TUM Klinikum Rechts der Isar, München)

Zudem wird sich der Wissenschaftliche Beirat künftig erweitert aufstellen. Die Herren Prof. Dr. med. Ernst Klar und Prof. Dr. med. Jakob Izbicki werden, auch nach ihrer aktiven beruflichen Tätigkeit, den Wissenschaftlichen Beirat unterstützen. Lutz Otto informierte darüber hinaus über weitere Schritte der Digitalisierung und über moderne Kommunikationswege innerhalb der Selbsthilfearbeit, bevor am Samstag die Fachvorträge den Blick auf aktuelle Entwicklungen in Forschung und Therapie richteten.

Eröffnung und Grußworte

Bereits zur Eröffnung betonte der Bundesvorsitzende Lutz Otto die Bedeutung des gemeinsamen Austauschs. Sein Dank galt insbesondere den Organisatoren Prof. Dr. Karsten Ridwelski, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Städtischen Klinikum Magdeburg, und Prof. Dr. Roland S. Croner, Direktor der Universitätsklinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Transplantationschirurgie Magdeburg. Das letzte Bundestreffen in Magdeburg liege fast 30 Jahre zurück. Umso mehr freue man sich über das vielfältige Programm in diesem Jahr und die Möglichkeit, das Thema „Pankreas“ weiterhin in die Öffentlichkeit zu tragen, gemeinsam zu diskutieren und sich gegenseitig zu inspirieren.

Per Videobotschaft richteten Tino Sorge (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit, sowie Sachsen-Anhalts Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung Petra Grimm-Benne (SPD) ihre Grüße an die Teilnehmer. Beide würdigten die Arbeit des AdP e. V. als wichtigen Bestandteil der Selbsthilfe und hoben die Bedeutung von Forschung, zertifizierten Zentren und interdisziplinärer Versorgung hervor. Besonders die Früherkennung des Pankreaskarzinoms sowie die Weiterentwicklung medizinischer Leitlinien müssten künftig noch stärker vorangetrieben werden.

Der AdP e. V. schafft hierfür seit Jahren wichtige Voraussetzungen: Mit inzwischen rund 1.600 Mitgliedern und aktuell 63 aktiven Regionalgruppen zählt der Verein heute zu den bedeutendsten Selbsthilfeorganisationen für Menschen mit Pankreaserkrankungen in Deutschland.

Wissenschaftliche Fachvorträge

Enzymsubstitution bei exokriner Pankreasinsuffizienz

Dr. med. Carl Meißner (Magdeburg) widmete sich der Enzymsubstitution bei exokriner Pankreasinsuffizienz. Im Mittelpunkt stand die individuelle und bedarfsgerechte Einnahme von Enzympräparaten. Entscheidend sei nicht der pauschale Verzicht auf Fett, sondern eine angepasste Ernährung kombiniert mit einer gezielten Enzymtherapie. Viele kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt sowie eine genaue Beobachtung der eigenen Ernährung könnten Beschwerden deutlich reduzieren.

Moderne Diagnostik bei gut- und bösartigen Pankreaserkrankungen

Prof. Dr. Verena Keitel-Anselmino (Magdeburg) erläuterte moderne diagnostische Verfahren bei gut- und bösartigen Erkrankungen des Pankreas. Sie machte deutlich, dass Symptome häufig unspezifisch seien und Erkrankungen deshalb oft spät erkannt würden. Rückenschmerzen, Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit oder Veränderungen der Verdauung könnten Warnzeichen sein. Ebenso können genetische Faktoren eine entscheidende Rolle spielen. Moderne Bildgebung wie Endosonografie, MRT oder CT ermögliche heute eine deutlich präzisere Diagnostik.

Die „Toolboxen“ für die Früherkennung von Pankreaszysten der Ärzte nehmen zu. Sie verwies auf den „Pankreaszystenpass“, entwickelt von der Universitätsklinik Magdeburg in Verbindung mit dem AdP e. V. Hier können Ärzte und Patienten Veränderungen der Zysten gemeinsam dokumentieren und daraus gezielt weitere Maßnahmen ableiten.

Vier Jahrzehnte Pankreaschirurgie

Wie stark sich die operative Therapie verändert hat, zeigte Prof. Dr. Karsten Ridwelski in seinem Rückblick auf vier Jahrzehnte Pankreaschirurgie. Dabei nahm er das Publikum mit auf die Reise seines eigenen beruflichen Werdegangs. Von den ersten großen offenen Eingriffen bis hin zu minimalinvasiven und robotergestützten Verfahren habe sich die Behandlung grundlegend gewandelt. Die Kombination aus Operation und moderner Chemotherapie verbessere heute die Überlebenschancen vieler Patienten deutlich. Gleichzeitig machte Ridwelski klar, dass medizinischer Fortschritt stets auf wissenschaftlichen Studien und jahrelanger Erfahrung basiere.

Pankreopriver Diabetes mellitus

Einen weiteren Schwerpunkt bildete der sogenannte pankreoprive Diabetes mellitus. Prof. Dr. Nils Ewald (Minden) erläuterte die besonderen Herausforderungen für Menschen, deren Bauchspeicheldrüse teilweise oder vollständig entfernt wurde. Da hier bislang nur wenige Leitlinien existieren, müsse die Behandlung individuell angepasst werden. Moderne Technologien wie kontinuierliche Glukosemessung, Insulinpumpen und KI-gestützte Systeme könnten Betroffenen den Alltag zunehmend erleichtern. Langfristig setze die Forschung große Hoffnungen in Stammzelltherapien und Inselzelltransplantationen.

Künstliche Intelligenz in der Krebsforschung

Großes Interesse weckte auch der Vortrag von Prof. Dr. Ulf Kahlert (Magdeburg) zur Nutzung künstlicher Intelligenz in der Krebsforschung. KI werde bereits heute eingesetzt, um neue Wirkstoffe zu identifizieren und Bluttests zur Früherkennung von Pankreastumoren zu entwickeln. Ziel sei es, Tumorspuren künftig frühzeitig und möglichst schonend im Blut mittels Lichtbrechung nachweisen zu können. Die Hoffnung auf bessere Heilungschancen durch innovative Diagnostik sei groß.

Robotische Präzisionschirurgie

Über robotische Präzisionschirurgie sprach Dr. med. Sara Al-Madhi (Magdeburg). Moderne Robotik-Systeme ermöglichten zunehmend präzisere Eingriffe mit geringeren Belastungen für die Patienten. Zwar gäbe es keinen Unterschied der Überlebensrate bei Operationen mittels Robotik oder klassischer Chirurgie, dennoch führten vor allem minimalinvasive Operationen durch den Einsatz von Robotik häufig zu schnelleren Erholungszeiten und kürzeren Krankenhausaufenthalten. Gleichzeitig betonte sie, dass der erfolgreiche Einsatz solcher Technologien umfassende Erfahrung und speziell geschulte Teams voraussetze.

Onkologische Therapie beim Pankreaskarzinom

Dr. med. Kersten Borchert (Schönebeck) beleuchtete die aktuellen Entwicklungen der onkologischen Therapie. Trotz allgemeiner Fortschritte in der Krebsbehandlung bleibe das Pankreaskarzinom weiterhin eine der aggressivsten Tumorerkrankungen mit oft ungünstiger Prognose. Neue molekulare Therapien, verbesserte Chemotherapiekonzepte und innovative Ansätze wie elektrische Tumorfeldtherapien (Tumor Treating Fields, kurz TTFields) könnten jedoch künftig weitere Verbesserungen bringen. Entscheidend bleibe die enge Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen.

Gesprächsgruppen und interdisziplinärer Austausch

Neben den Fachvorträgen standen vor allem die Gesprächsgruppen im Mittelpunkt des Bundestreffens. In kleineren Runden diskutierten Betroffene, Angehörige und Experten zu folgenden Themen:

  • Chirurgie – Prof. Dr. Roland S. Croner / Prof. Dr. Helmut Friess
  • Endoskopie – Prof. Dr. Jonas Rosendahl / PD Dr. med. Michael Hocke
  • Ernährung und Rehabilitation – Dr. med. Harald Fischer / Dr. med. Gabriele Rex
  • Krankheitsbewältigung – Dipl.-Psych. Hans-Jürgen Kraux
  • Ernährung – Heike Dethardt / Tim Haffner / Christiane Kling / Dr. troph. Susen Maluck-Schölecke
  • Austausch für Angehörige – M. Sc. Psychologin Laura Fricke

Besonders deutlich wurde dabei der Wunsch nach individueller Beratung und ganzheitlicher Betreuung. Ernährung, psychologische Unterstützung und soziale Aspekte seien für die Lebensqualität ebenso wichtig wie die medizinische Therapie.

Abschlussvortrag: Zuversicht und Gemeinschaft

Den emotionalen Abschluss des Tages gestaltete Prof. Dr. med. Dietrich Grönemeyer, Schirmherr des AdP e. V. In seinem Vortrag über einen gesunden Lebensstil und den Umgang mit einer Krebserkrankung sprach er über Zuversicht, Lebensfreude und die Bedeutung von Gemeinschaft. Gesundheit bestehe nicht nur aus Medizin, sondern auch aus Bewegung, Ernährung, Schlaf, sozialem Miteinander und mentaler Stärke. Der Austausch innerhalb des AdP vermittle vielen Betroffenen Mut und Orientierung.

Zum Abschluss dankten Prof. Dr. Karsten Ridwelski und Prof. Dr. Roland S. Croner allen Referenten, Unterstützern und Teilnehmern für ihr großes Engagement. Lutz Otto sprach den beiden Organisatoren seinen besonderen Dank für die großzügige finanzielle Unterstützung für dieses Bundestreffen aus. Fortwährend zeige sich, wie wichtig der Dialog zwischen Medizin, Forschung, Selbsthilfe und Betroffenen sei.

Rahmenprogramm in Magdeburg

Den stimmungsvollen Ausklang des Veranstaltungstages bildete ein gemeinsames Rahmenprogramm durch die Landeshauptstadt Magdeburg. Mit einer historischen Straßenbahn erlebten die Teilnehmer eine besondere Fahrt durch die Elbestadt in Richtung Elbauenpark. Während der Tour boten sich zahlreiche Eindrücke einer Stadt, die Tradition, Moderne und Wissenschaft auf eindrucksvolle Weise verbindet.

Im Elbauenpark angekommen, erwartete die Gäste mit dem Jahrtausendturm eines der bekanntesten Wahrzeichen Magdeburgs. Der außergewöhnliche Holzturm gilt als weltweit einzigartiges Ausstellungsgebäude seiner Art und verbindet Wissenschaft, Technik und Menschheitsgeschichte zu einem besonderen Erlebnis. Viele Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, den imposanten Turm und die weitläufige Parkanlage bei bestem Austausch miteinander zu erkunden.

Anschließend klang der Abend in der „Zauberküche“ in entspannter Atmosphäre aus. Bei regionalen Spezialitäten, guten Gesprächen und persönlichem Austausch rückte einmal mehr der Gemeinschaftsgedanke des AdP e. V. in den Mittelpunkt. Die besondere Gastfreundschaft der Stadt Magdeburg sowie das abwechslungsreiche Rahmenprogramm sorgten bei vielen Teilnehmern für bleibende Eindrücke und für einen gelungenen Abschluss des Bundestreffens.

Das nächste Bundestreffen des AdP e. V. wird 2028 in Lübeck stattfinden.

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